6. Februar 2011, Yukon Arctic Ultra, www.arcticultra.deNordkanada, Yukon, Klondike, Goldrausch, Jack London, klang für mich nach einer guten Fortsetzung meiner Winter/Eismarathonsammlung. Die Anreise ist etwas langwierig, 10 Stunden Flug nach Vancouver und dann nochmals gute zwei Stunden nach Whitehorse. Wir haben aber Glück und die Temperatur bleibt bei warmen rund - 20 Grad, in früheren Jahren gab es bei dem Lauf auch schon negative Ausschläge jenseits der – 50 Grad. Ich hatte noch genug Zeit an den Vortagen mir die Marathonstrecke anzusehen, man läuft flußab auf dem zugefrorenen Yukon und dann flussaufwärts auf dem Takhini river. Eine Brücke und ein paar Nothütten sind die einzigen Zeugen der Zivilisation auf 42 km(und das was die Hundeschlitten vom Vortag zurückgelassen haben). Ansonsten gibt es schneebedeckte Berge und Wälder so weit das Auge reicht. Obwohl es in den Vortagen selbst an warmen Tagen -8 Grad hatte, ist das Eis auf dem Fluß stellenweise sehr dünn und man holt sich nasse Füße wenn man z.B. bis zum Knie in einen Hohlraum einbricht. Das stell ich mir ziemlich ekelhaft beim Marathon vor, wenn man noch ein paar Stunden vor sich hat. Das gibt dann auch eher ein Durchschlagen als ein rhytmisches Laufen. Am Samstag gab es den Start des Hundeschlittenrennens Yukon Quest über 1000 Meilen, wir durften dann am Sonntag an den gleichen Start, rund 50 Teilnehmer, verteilt auf die Warmduschermarathonstrecke – so hatte ich das bisher nicht gesehen – 100 Meilen, 300 Meilen und 430 Meilen bis Dawson an der Mündung des Klondike in den Yukon. Ein paar Mountainbiker, ein paar Sportler mit Langlaufskier, die meisten aber Läufer, auf den längeren Stecken mit Pulkas mit jede Menge Gepäck zum Übernachten/für den Notfall, das muß man dann wohl mögen. Strahlender Sonnenschein und – 19 Grad am Start, so dass auch die letzte Pfütze wieder zugefroren ist, trotzdem knackt es ziemlich krass wenn man über die Hohlräume läuft. Die meisten laufen mit Rucksack und Trinkblase, ich nehme lieber zwei isolierte Trinkflaschen mit, die frieren nicht so schnell zu. Schöne lange kniehohe Gamaschen – nur für den Fall, dass ich doch noch einbreche und natürlich meine Winterlaufschuhe mit Spikes. Ansonsten laufe ich relativ dünn, nur mit zwei Schichten – lieber frieren als schwitzen, dass gibt nur Eis in den Klamotten, hab aber im Ziel eine komplette Garnitur hinterlegen lassen. Die ersten zwei Stunden sind für mich sehr gesellig – ich laufe mit zwei Kanadier immer in Sichtweite, dann setzen die offensichtlich zum Schlussspurt an und ich muß sie ziehen lassen, so dass ich als dritter Läufer nach 3:29 ins Marathonziel komme. Die Zielhütte ist recht klein, so dass ich die Helfer bei der Betreuung im Freien unterstütze, insbesondere die Ultras nutzen das Marathonziel ja nur zum schnellen Auftanken und um sich für die Nacht umzuziehen. Kaum zu glauben, dass die den „Spaß“ bei einbrechender Dämmerung und den fallenden Temperaturen noch fortsetzen wollen und auf den verbleibenden rund 400 Meilen gibt es in den nächsten Tagen und Nächten sicher noch einiges zu bewältigen. Auf der Webseite sind einige verschärfte Videoaufnahmen hinterlegt.Jürgen Heilbock
20.02.2011