06.09.2008

Mit dem Rad über die Autobahn

Starker Auftritt beim Jedermann Einzelzeitfahren der Deutschlandtour

von ALEXANDER NIKOLOPOULOSEigentlich ist das Einzelzeitfahren ja meine große Stärke, doch bei der Deutschlandtour der Jedermänner war immer mindestens ein Fahrer schneller gewesen – es war wie verhext: Zweimal ein zweiter Platz, einmal dritter, siebter und zwölfter. Diesmal jedoch sah alles perfekt aus: eine Strecke, wie ich sie mir passender nicht hätte aussuchen können: flach und windanfällig – ideal für meine aerodynamische Sitzposition und um das ganze abzurunden: ich hatte den Starplatz bei einem Gewinnspiel des Challenge Magazins gewonnen. Da wir recht früh in Bremen ankamen und mein Start erst um 13:00 Uhr anstand – als angepeilten Schnitt hatte ich ja in einem Anflug von Größenwahn >45km/h angegeben, konnte ich die Runde einmal komplett abfahren. Das machte auch Sinn, denn insbesondere auf dem Stück auf dem Deich machten sich die Streckenkenntnisse bezahlt. Nach dem Deich führte die Strecke über Schnellstraßen und eine Autobahn (!!!) zurück nach Bremen, über weitere Schnellstraßen bis ins Ziel. Kurz vor dem Ziel gab es eine fiese Kurve, die jedoch auch gut fahrbar war – wenn man wusste, dass da ein Absatz war… Nach dem Abfahren der Strecke wollte ich noch Julia alles Gute wünschen und mich mit dem Rad an einer Absperrung vorbei mogeln. Dummerweise blieb ich mit dem Lenker daran hängen und – zack –lag ich vor allen Leuten auf dem Boden – das sind die Momente, in denen man unsichtbar werden will. Glücklicherweise ist nicht viel passiert: kleine Abschürfung am Ellenbogen und leichte Prellung am Oberschenkel. Die folgende Stunde verbrachte ich mit Umziehen, Essen und Getrödel. Eine Rolle hatte ich nicht dabei, also gab es auch kein richtiges Warmfahren mehr. Am Start hatte sich das Bild dann komplett geändert: während da vor einer Stunde noch die normalen Rennräder überwogen, sah ich mich umringt von Zeitfahrmaschinen, Scheibenlaufrädern und Aerohelmen. Das Niveau war also doch etwas gestiegen. Dann ging alles ganz schnell: rauf auf die Rampe, 10 Sekunden warten und los. Der Starter vor mir legte direkt ein höllisches Tempo auf – ich dachte schon der fährt mir weg. Wie ich nachher erfahren habe war das ein mehrfacher norddeutscher Zeitfahrmeister. Glücklicherweise wurde er dann doch irgendwann etwas langsamer... Auf dem Deich hatte man leichten Rückenwind, das reichte um einen Schnitt von 48-50 zu fahren. Herrlich! Dummerweise kommt der Wind bei einem Rundkurs irgendwann immer von vorne, in diesem Fall genau auf dem Stück über die Autobahn, wo es zusätzlich noch etwas bergauf ging. Also noch kleiner gemacht auf dem Rad und durch. Die Taktik bei einem Zeitfahren ist ja recht einfach: voll angehen und hoffen, dass es bis ins Ziel reicht. Dummerweise fangen die Beine nach spätestens 20 Minuten dann doch an zu brennen, aber was soll's, hilft ja alles nix. Den anderen Startern ging es ja nicht besser, also konnte ich mich nicht beklagen. Die Zeit verging wie im Flug und ich konnte einen um den anderen Fahrer überholen – auch einige Jungs, die das mit dem Windschattenverbot nicht so ganz geblickt haben – gibt es halt immer wieder. Kurz vor dem Ende fing es dann doch noch an zu regnen, oder besser gesagt, die Welt ging kurzfristig unter, so stark schauerte es. Auf den breiten Straßen stellte das allerdings kein wirkliches Problem dar, nur in den letzten drei Kurven musste ich extrem vorsichtig fahren – bloß kein Sturz mehr. So kam ich dann nach 45:50 Minuten ins Ziel (somit hatte ich auch wenigstens meinen übermütig angegebenen Schnitt geschafft). Nach einiger Wartezeit gab es dann auch das Endergebnis: Platz 1!!! Beim sechsten Anlauf hatte es also endlich geklappt. Und immerhin wäre ich nicht letzter bei den Profis geworden, die am Nachmittag auf der gleichen Strecke unterwegs waren. Die Siegerehrung war dann kurz und gut. Kein endloses Warten, was ja doch häufiger vorkommt. So konnten Julia und ich bald wieder richtung Heimat aufbrechen, denn schon am nächsten Morgen stand für uns noch der Start in Griesheim an… Bilder:

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