25.08.2021

Mit dem Langdistanz-Projekt zum Ironman

Kein Privatleben, anhaltende Erschöpfung und Eintönigkeit im Trainingsalltag – so hätten die letzten neun Monate aussehen können. Doch es kam (zum Glück) ganz anders. Ein Erfahrungsbericht von Oliver Rudolf.

Als ich im Juni 2019 zum ersten Mal an der Laufstrecke des Ironman Frankfurt an der Gerbermühle stand und Sebastian Kienle und Jan Frodeno bei ihrem Marathon zujubelte, hätte ich jeden ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass ich zwei Jahre später an gleicher Stelle den Wendepunkt umlaufe und meine Freunde und Familie lautstark meinen Namen rufen und mich anfeuern. Nun bin ich einer dieser verrückten Sportler*innen, die sich den längsten Tag des Jahres nicht von der Couch und am Streckenrand anschauen, sondern selbst 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und, weil es so schön ist, zum Abschluss einen Marathon mit 42,195 Kilometer laufen. Doch wie läuft ein Renntag ab? Welches Material benötige ich? Wie ernähre ich mich vor und im Rennen? Und die wohl wichtigste Frage: Wie trainiere ich für einen Ironman? Fragen, Fragen und noch mehr Fragen.

Einhergehend mit der Entscheidung, mich für das Rennen 2021 anzumelden, war für mich zweifelsohne klar, dass ich eine solche Herausforderung nicht alleine angehen kann und auch nicht möchte. Auch wenn Triathlon grundsätzlich eine Einzelsportart ist, war ein Alleingang für mich keine Option. Nach kurzer Recherche bin ich auf das Langdistanz-Projekt der Eintracht gestoßen. Ein Rundum-Sorglos-Paket mit Trainingsplan, Leistungsdiagnostiken und vielen weiteren Leistungen klang vielversprechend – also habe ich mich schnell angemeldet, bevor ich noch zur Vernunft komme und mich umentscheiden würde. Nun gibt es keinen Weg zurück. Ich werde ein Ironman sein!

Wie ein Profi fühlen

Das Langdistanz-Projekt startete Anfang November mit einem Vortrag – aufgrund der anhaltenden Pandemie wurde das Meeting virtuell durchgeführt. Mit 25 Sportler*innen und unseren beiden Trainern Philipp und Georg haben wir über zwei Stunden die ersten Fragen geklärt, den Ausblick auf die kommenden Monate vorgenommen und auch schon die erste Vorfreude auf die Finishline am Römer geschürt. Ab diesem Abend war klar: Genug geredet, ab jetzt geht’s los. Ein toller Start in das Projekt!

Das Herz des Projektes ist sicherlich der individuelle Trainingsplan, den alle Teilnehmer*innen von unserem Coach Philipp über die Trainingsplattform atleta.de zur Verfügung gestellt bekommen. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit (mögliche Wochenstunden fürs Training) wird ein perfekt auf die jeweiligen Stärken und (vermeintlichen) Schwächen ausgerichteter Trainingsplan online zur Verfügung gestellt. So konnten wir ganz einfach per Smartphone einsehen, was für Einheiten in den nächsten Tagen geplant sind. Zusätzlich konnten wir unsere individuellen Trainingsbereiche (Puls- und Wattwerte) hinterlegen und so jede Einheit wirklich perfekt auf uns abstimmen. Auch dass ich zu Beginn des Projektes nicht wirklich wusste, welche Puls- und Wattwerte für mich passend waren, stellte überhaupt kein Problem dar – der erste Laktattest auf der Laufbahn am Riederwald diente als erste Standortbestimmung und bildete die Basis für die ersten Grundlageneinheiten und fühlte sich fast wie bei den Profis an.

Routine hilft

Die ersten Wochen und Monate waren geprägt von vielen Basiseinheiten mit stetiger Steigerung im Trainingsumfang und von wöchentlichen Zoom-Meetings, die den Austausch in Präsenz ersetzt haben, der aufgrund der Kontaktbeschränkungen leider nicht so möglich war, wie wir uns dies gewünscht hätten. Doch zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass mir der Zugang zu den Coaches Philipp und Georg und der Kontakt zu den Leidensgenoss*innen fehlt. Über eine eigene Telegram-Gruppe und in unserem wöchentlichen Austauschformat haben wir in lockerer Runde alle Fragen beantwortet und unsere Erfahrungen ausgetauscht. Ich habe den Satz in der Schule zwar immer gehasst, aber er ist zu 100% zutreffend: es gibt keine dummen Fragen! So wurden neben Ernährungstipps auch schon die ersten Aerodynamik-Kniffe von Georg geteilt – die Startnummer kann angenäht und die Beine rasiert werden, um auf dem Rad noch zwei Watt einzusparen. Ich muss zugeben, dass ich am Renntag dann doch auf haarige Beine herabgeblickt habe und auch die Startnummer lag nicht press am Aero-Suit. Aber das war auch vollkommen okay und es war umso interessanter zu sehen, wie wir Teilnehmer*innen einen solchen Tag auf viele verschiedene Weisen angingen.

Um die Mehrbelastung von Beruf, Privatleben und Training unter einen Hut zu bekommen, habe ich für mich eine passende Routine entwickelt. Morgens nach dem Aufstehen eine erste Laufeinheit, anschließend an den Schreibtisch zum Arbeiten, abends zum Tele-Stabi mit Georg und anschließend Zeit für Familie und Freunde. So oder so ähnlich würde ich einen „normalen“ Trainingstag beschreiben. Wiederkehrende Muster haben mir sehr geholfen, nicht in Panik zu verfallen, wenn der Tag mal wieder nur 24 Stunden hatte und noch einiges auf der To-Do-Liste stand. Doch die Abwechslung im Trainingsplan hat dafür gesorgt, dass es trotz aller Routine nie langweilig wurde.

Unterstützung vom Umfeld

Beim Abendessen mit gutem Gewissen eine Extra-Portion auf den Teller packen zu können oder die Beinmassage der Lebensgefährtin hat mich für viele schweißtreibende Einheiten entschädigt. Denn eines ist besonders wichtig: es muss Spaß machen und du musst dein privates Umfeld idealerweise in deinen neuen Alltag mit einbinden. So wurde der Besuch bei der Familie mit einem Longrun am Sonntag verbunden oder die Radeinheit so früh samstags begonnen, dass nicht der ganze Tag geblockt war und noch Zeit für Freunde blieb. Ich hatte das Glück, dass ich die volle Unterstützung meines Umfeldes hatte und mich meine Lebensgefährtin das ein oder andere Mal morgens motivieren konnte, vom Bett in das Schwimmbecken zu wechseln und das von Philipp geplante Training durchzuziehen. Auch die Gewissheit, dass im Langdistanz-Projekt noch viele andere Sportler*innen den gleichen Schweinehund zu überwinden haben und auch sie sich bei den vielen Bergsprints und Intervallen in den Laufschuhen quälen, hat immer wieder dazu beigetragen, dass ich den Trainingsplan bestmöglich und fast ohne Kompromisse durchgezogen habe. Natürlich gehört es als Amateur-Sportler auch mal dazu, eine Einheit zu schieben oder auf die Situation anzupassen. Denn zu keiner Zeit wollte ich so verbissen an die Sache herangehen, dass mein Privatleben oder der Beruf darunter leiden. Ich habe die für mich perfekte Balance gefunden und bis zum letzten Trainingstag beibehalten.

Ob Rookie oder Wiederholungstäter – die individuelle Betreuung der Teilnehmer*innen lässt jedes Tria-Herz höherschlagen und bietet eine super Vorbereitung auf die erste oder die nächste Langdistanz. Wir sehen uns wieder!

Oliver Rudolf

Das Langdistanz-Projekt hat nicht nur in der Vorbereitung mit den diversen Leistungsdiagnostiken und Wissenstransfers einen absoluten Mehrwert geboten. Auch in der Rennwoche und am Renntag wussten wir uns zu jeder Zeit in den besten Händen. Am Renntag mit einem eigens für uns bereitgestellten Shuttle-Service mit den anderen Eintracht-Trias anzureisen, lies die Müdigkeit morgens um 4.30 Uhr schnell weichen und wurde von Vorfreude und positiver Anspannung ersetzt. Es war soweit, der Tag der Tage war gekommen.

Ein positives Fazit

Mit einer mit Philipp abgestimmten Rennstrategie im Gepäck hatte ich genau ein Ziel an diesem Tag: gesund und mit Spaß ins Ziel kommen. Eine genaue Vorstellung, wie lange mein längster Tag des Jahres dauern sollte, hatte ich nicht. Doch dass am Ende eine Zielzeit von unglaublichen 12:15 Stunden auf der Anzeigetafel stand, war der Beweis, dass ich alle meine positiven Erwartungen übertroffen habe.

Rückblickend und mit Blick auf das kommende Jahr kann ich das Langdistanz-Projekt der Eintracht wärmstens empfehlen. Ob Rookie oder Wiederholungstäter – die individuelle Betreuung der Teilnehmer*innen lässt jedes Tria-Herz höherschlagen und bietet eine super Vorbereitung auf die erste oder die nächste Langdistanz. Wir sehen uns wieder!

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