09.10.2015

Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii – Let the show begin

Am 10 Oktober 2015 werden die beiden Eintracht Frankfurt Triathleten Carsten Speike und Ole Jacobsen bei der Ironman Weltmeisterschaft in Kailua-Kona, Hawaii an den Start gehen.

Am 10 Oktober 2015 werden die beiden Eintracht Frankfurt Triathleten Carsten Speike und Ole Jacobsen bei der Ironman Weltmeisterschaft in Kailua-Kona, Hawaii an den Start gehen. Beide Athleten haben sich bei der diesjährigen Hitzeschlacht von 40 Grad Celsius beim Ironman Germany in Frankfurt qualifiziert. Die beiden Athleten kennen sich gut und haben unter anderem auch bereits einige gemeinsame Trainingslager in der Vergangenheit bestritten. Hier interviewen sie sich gegenseitig.
Ole Jacobsen:Hi Carsten, Glückwunsch zu Deiner Performance beim Ironman Frankfurt 2015. Du hast bei Deinem ersten Ironman den zweiten Platz in der Altersklasse 18-24 erreicht und Dich damit für die Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii qualifiziert. Ironman ist doch eigentlich ein Altherrensport. Der Frauenanteil liegt bei fast vernachlässigbaren 10 Prozent und Deine Finisherzeit hätte in der Altersklasse 50 noch für eine Hawaiiquaifikation gereicht. Warum trittst Du in Deinem Alter bei Ironmanrennen an?Carsten Speike:Danke. Natürlich war ich etwas überrascht über mein Ergebnis aber mindestens genauso erfreut. In Frankfurt durfte ich zum ersten Mal erfahren, was es bedeutet „im Tunnel“ zu sein. Ich habe kaum noch etwas mitbekommen von den Leuten um mich herum (von meinen Begleitern zum Glück schon, meinen Schwimmtrainer Björn z.B. gar nicht mehr). In solchen Situationen bekomme ich von der Frauenquote auch nichts mit.Mir ist bewusst, dass es in meinem Alter nicht unbedingt die gängigste Sportart bzw Distanz ist, da man körperlich noch weit entfernt ist von seiner optimalen Leistungsfähigkeit. Die Frage warum ist schwer zu beantworten glaube ich. Eigentlich wollte ich es nur ausprobieren, war neugierig wie sich so etwas anfühlt, was das für Schmerzen sind und was richtiger Muskelkater ist...und jetzt bin ich in Kona. Passiert.Ole Jacobsen:Laut einer Umfrage bei der Startern der Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii trainieren die Athleten in den letzten 6 Monaten vor dem Wettkampf im Schnitt 20-30 Stunden in der Woche. Da kommen in der Woche Umfänge von 11km Schwimmen, 354km Rad und 76km Laufen zusammen. Kannst Du da als Umfangmethodiker mithalten und wie hast Du Dein Training in den letzten Monaten gestaltet?Carsten Speike:Dann habe ich in den letzten Monaten wohl unterdurchschnittlich trainiert. Lediglich beim Schwimmen befinde ich mich im bzw knapp über dem Durchschnitt, aber bei den Schwimmleistungen von Triathleten ist das nicht unbedingt verwunderlich. Nachdem ich den Ironman Frankfurt mit insgesamt 20 Lauf-km in den 2 Monaten vor dem Rennen absolvieren musste, konnte ich in der Vorbereitung für Hawaii zum Glück auf festem Untergrund laufen, aber auch nicht diese Umfänge.Dazu kam viel Stabi um erneuten Verletzungen vorzubeugen und präventiv Aquajogging.Ole Jacobsen:Du bist nun schon einigen Tage vor Ort in Kailua-Kona und hast einen ersten Eindruck von den Strecken, dem Klima und den anderen Athleten bekommen. Was sind Deine Ziele für den Wettkampf und was erwartest Du grundsätzlich von dem Rennen?Carsten Speike:Nachdem ich mich etwas eingewöhnt hatte konnte man das auch langsam wieder Laufen nennen. Die erste Ausfahrt auf dem Highway war dann gleich mit den üblichen windigen und stickigen Bedingungen gespickt, ich hoffe meine Statur kann mir dabei zum Vorteil werden.In der Woche vor dem Rennen hat die „Freak-Show“ so langsam begonnen und man bekommt schnell das Gefühl alle sind ständig am trainieren und sind grundsätzlich viel fitter als man selbst. Deswegen versuche ich mir da keine festen Ziele oder gar Zeiten zu setzen, angeblich ist ja kein Rennen unberechenbarer als Hawaii.

Carsten Speike:Hallo Ole,auch an dich Glückwünsche zur Quali und danke, so muss ich das  alles nicht alleine machen und kann auf deine Erfahrungen und Experten-Tipps zurückgreifen.Ich durfte ja am eigenen Leib erfahren, wie sehr so eine Hitzeschlacht am Körper zehrt und wie man sich danach fühlt. Bisher hast du dich nur einmal so „spät“ im Jahr qualifiziert, sonst hattest du deutlich mehr Zeit zur Erholung und Vorbereitung.  Denkst du in deinem betagten Alter reicht die kurze Zeit von Juli bis Oktober um wieder fit zu werden?Ole Jacobsen:Das Rennen in Frankfurt hat aufgrund der extremen Hitzebedingungen mit Sicherheit zusätzliche Körner gekostet. Als ich das Training 4 Wochen später wieder aufgenommen habe, war ich z.B. beim Laufen langsamer unterwegs als beim Einstieg im Winter. So langsam war ich noch nie unterwegs. Da kommt schon mal die Frage auf „Was passiert hier, wo ist  die Form hin“? In Summe sicherlich eine Kombination der Hitze beim Rennen, meinem Alter, die Arbeitsbelastung on the Job, sowie die unerwartet hohen Temperaturen im August.Aus der Vergangenheit wusste ich, dass ich bei Rennen im Oktober/November immer besser unterwegs war als im Sommer. Das liegt wahrscheinlich an meinem relativ geringen Trainingspensum, bei dem ich dann einfach einige Monate mehr Zeit brauche um fit zu werden.  Als ich mich das letzte Mal in Frankfurt für Hawaii qualifiziert hatte, war ich der einzige der in Hawaii schneller als in Frankfurt war. Mit diesen Erfahrungen setzte ich auf Geduld um mich aus dem „Trainingsloch“ herauszuarbeiten. Ich ziehe es aber vor nur einen Ironman pro Jahr zu machen, d.h. lieber eine Quali am Ende des  Jahres zu holen. Diesen Ansatz halte ich für gesünder und stressfreier gerade für betagtere Athleten die auch keinen 9 to 5 Job haben.  Ich würde niemals freiwillig zwei Ironmanrennen im Jahr machen wenn nicht eines davon bei der WM in Hawaii stattfindet.Carsten Speike:Viele sagen das eigentliche Rennen sei eintönig und langweilig. Was bewegt dich dazu, mittlerweile schon zum vierten Mal hier an den Start zu gehen?Hawaii bietet eine Superkombination von Urlaub und Wettkampf. Außerdem bevorzuge ich grundsätzlich Wettkämpfe bei Meisterschaften. Die Konkurrenz ist wesentlich höher als bei Wald-und Wiesen Wettkämpfen und ich bekomme ordentlich einen „auf die Fresse“. Hier zählt für mich wirklich der ursprüngliche Olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“.  Bei aller negativen kommerziellen Entwicklung der Ironmanserie, dass Rennen auf Hawaii besitzt einen gewissen Mythos mit einer gewisse Anziehungskraft.In der Vergangenheit hast du im Training so manch ein Experiment gestartet (man erinnere sich an das „10 für 10“ Projekt , heißt 10h Training pro Woche für einen 10h Ironman). Wie hast du dich diesmal vorbereitet?Welche Rolle spielt Erfahrung bei solch einem Rennen und was würdest du dem hitzköpfigen Rookie als Tipp mit auf den Weg geben?Ole Jacobsen:Diesmal konnte ich mich mal wieder normal vorbereiten, d.h. 10-13 Stunden Training pro Woche.  Leider bin ich drei Wochen vor dem Wettkampf richtig heftig beim Laufen umgeknickt und konnte die ersten Tage nur auf Krücken laufen. Das ungeplante Experiment lautet nun ob ich das Sprunggelenk so wiederherstellen kann, dass ich das Rennen finishen kann. Wenn ich merke das die Schmerzen zu Groß sind und ich meine Gesundheit gefährde steige ich aus. Mein Tipp: Mach das, was Du beim Hitzerennen in Frankfurt gemacht hast, sei nur 15 Minuten schneller und Du hast eine Chance `ne Holzschüssel zu erringen. Die kannst Du Dir aber auch bei Walmart für 5,95 USD kaufen.