01.12.2014

Ironman Barcelona – Wettkampf für Langschläfer

Calella bei Barcelona. 4. Oktober 2014 - 9:23 Uhr. Mein Startschuss zum Ironman Barcelona 2014. So einen späten Start hatte ich bisher in meiner Langdistanzkarriere noch nie erlebt.

Calella bei Barcelona. 4. Oktober 2014 - 9:23 Uhr. Mein Startschuss zum Ironman Barcelona 2014. So einen späten Start hatte ich bisher in meiner Langdistanzkarriere noch nie erlebt.Ursprünglich war der Start um 8:53 Uhr geplant. Der Ironman Barcelona findet in Startwellen statt. Ich durfte in der letzen Startwelle vor den Staffeln starten. Die erste Startwelle war planmäßig um 8:30 Uhr für die männlichen Profis vorgesehen.Aufgrund heftiger Gewitter und starken Regens wurde der Start um 30 Minuten verschoben. Vollkommen gerechtfertigt. Die Regenfälle waren so stark, dass das Licht im Wechselzelt immer wieder ausfiel. Da es kein Notstromaggregat gab war es hilfreich ein Smartphone mit Taschenlampenfunktion zu haben um sich im Dunkeln zu orientieren und seine Wechselbeutel zu finden. Im Neo haben die meisten Athleten ihre Räder eingerichtet. Die Radschuhe blieben gleich im Wechselbeutel um nicht völlig aufzuweichen.Der Ironman Barcelona hat nur eine Wechselzone. Von dieser ging es ca. 1km im Neo zu Fuß zum Schwimmstart. Erst dort wurde die Ankündigung gemacht, dass das Rennen um 30 Minuten verschoben wird. Mir wurde in der Wartezeit trotz Neo langsam kalt. Dazu kam die Aussicht beim Schwimmen über 3km Slalom zu schwimmen, da ich erwartungsgemäß schnell in die vorherigen Startgruppen rein schwimmen werde. So gingen mir langsam einige Prozente der Motivation flöten.Das Schwimmen war dann fast wie erwartet. Es besteht aus einer großen Runde. Leider ging das Slalomschwimmen bereits nach 100 Metern los und begann meine Laune zu verderben. Dieses ewige Suchen nach dem besten Weg durch die Massen, vorbei an gefährlichen Brustgrätschen, kostet einfach Energie da ich nie meinen eigenen Rhythmus fand. Trotzdem konnte ich das Schwimmen in 51:20 Minuten beenden.Die Radstrecke mit ca. 700 Höhenmetern besteht aus 3 Runden, die eigentlich immer parallel zum Meer entlang geht. Das Profil ist ähnlich wie in der Wetterau und die Anstiege befinden sich in der ersten bzw. zweiten Hälfte der Runden. Die ersten bzw. die letzen 2.5 km aus/in die Wechselzone führen durch die Altstadt mit vielen engen Kurven, Kopfsteinpflaster und Streetbumps. Hier wurde vom Veranstalter das Windschattenfahren aufgehoben. Diese Regel ist passend, da am Anfang die Straßen entsprechend Nass und rutschig waren, und einige Athleten Ihre Räder wirklich nur im Schneckentempo lenken konnten.Auf der Radrunde angekommen, fing meine Motivation an sich zu steigern. Zu einem wurde das Wetter besser (später 25 Grad und Sonne), zum anderen war ich in der Lage viele Leute auf dem Rad zu überholen. Eine neue Erfahrung für mich. Normalerweise überhole ich eigentlich keine Athleten auf dem Rad bei einem Ironman. Das ist der Nachteil wenn ich recht weit vorne beim Schwimmen heraus komme. Danach erlebe ich nur das Rauschen der Überholenden auf meiner linken Seite.Aus meiner Sicht gab es zu viele Athleten (Starterfeld von 2300 Leuten) auf der Radstrecke. Es haben sich viele Gruppen gebildet, zum Teil haben Starter aus demselben Verein klassisches Teamzeitfahren absolviert. Die Kampfrichter haben kaum eingegriffen. Sie haben sich immer nett mit den Athleten in der Gruppe unterhalten und viel gelacht. Es kam mir vor als ob Sie ihren Schwager, Cousin oder Bruder getroffen haben.Ich habe mehrere von diesen Gruppen überholt und musste feststellen dass das viele Athleten zur Einladung genommen haben sich bei mir rein zuhängen. Es gibt Videoaufnahmen, die mich beim Überholen zeigen. Die Überholten machen noch nicht einmal den Anstand mit Abstand von vielleicht 7 Metern anstatt 10 Metern zu fahren. Nein, 20-30 cm ist hier eher die Norm. Hier gibt es Leute die sich ca. 100 km von mir haben ziehen lassen um sich später als Hawaiiqualifikant feiern zu lassen.Für die Zuschauer ist die Radstrecke attraktiv. Sie liegt nur ca. 100m vom Schwimmstart entfern und gibt Ihnen die Möglichkeit die Athleten sechs Mal zu sehen. Am Anfang der Runde sogar mit Anstieg. Ich konnte die Radstrecke nach 4:50 Stunden beenden und meine Motivation hatte sich erheblich gesteigert. Im Vergleich zum Ironman Frankfurt in diesem Jahr, bei dem ich wegen eines Infektes (stellte sich natürlich erst im Nachherein heraus) und Schwindelanfällen nach dem Rad ausgestiegen bin, hatte ich mich diesmal richtig gut auf dem Rad gefühlt.Die Laufstrecke besteht aus 4 Runden die am Schwimmstart bzw. der Ziellinie vorbeiführt. Sie verläuft ebenfalls immer parallel am Meer entlang und besteht zum Teil aus festen Sand (mit einigen Kuhlen) sowie Asphalt/Fließen. Hier wird es zum späteren Zeitpunkt richtig voll aufgrund des großen Startfeldes. Auf der Laufrunde sah ich plötzlich einige Hundert Meter vor mir einen Hüne in Eintracht Triathlon Klamotten auf der Laufstrecke. In dem Moment schoss mir das Bild von „Conan der Barbar“, der in einer Horde von Hobbits lief, in den Kopf. Ich war nicht in der Lage den Eintracht-Starter einzuholen. Mein Lauf war solide mit einer Zeit von 3:30 Stunden, ich hatte es aber noch nie erlebt dass meine schnellsten Kilometer im Marathon aus den letzen vier Kilometern bestehen. Keine Ahnung warum ich erst so spät meinen Rhythmus gefunden habe.Die Lokation für das Rennen passt, besonders für Begleiter. Man kann zu Fuß vom Hotel zum Start gehen, die Begleitung kann den Athleten ohne großen Aufwand begleiten und mehrmals ohne große logistischer Leistungen verfolgen. Sofern gewünscht, kann man sich in einige der netten Beachbars begeben und sich etwas zu Trinken oder Essen zu holen.Der Wettkampf hat Potential. Das Starterfeld ist allerdings zu groß, weil die Kampfrichter nicht wirklich durchgreifen. Angeblich wurden über 200 Zeitstrafen verhängt, ich selber sah aber locker die Möglichkeit mindestens weitere 200 zu verhängen. Wer Wert auf ein faires Rennen legt ist hier fehl am Platz. Der ursprüngliche Gedanke dieser Sportart, das Rennen für sich alleine im Kampf Mann gegen Mann (bzw. auch Frau) zu bestreiten wird seit längerer Zeit von dem Veranstalter und den Athleten mit Füßen getreten. Ich werde 2015 noch eine Ironman-Saison bestreiten da ich noch eine persönliche offene Rechnung mit dem IM Frankfurt Rennen haben. Danach, sofern sich bei dem Thema Windschattenfahren, keine fundamentalen Änderungen ergeben, werde ich den Ironman-Rennen den Rücken kehren. Ergebnisse der bekannten Eintracht Athleten:
Robert Seele 09:08,56
Ole Jacobsen 09:16,47
„Hüne“ Ingo Saatweber 10:05,41