30.06.2023
Triathlon

Der Traum von der Königsklasse

Wenn am Sonntag, 2. Juli, der Startschuss des Ironman 2023 in Frankfurt ertönt, steht mit Mounsif Chtaiti auch ein Eintracht-Triathlet an der Startlinie, der bereit ist, sich der Langdistanz zu stellen.

3,8 Kilometer schwimmen im Langener Waldsee, 182 Kilometer Radfahren durch naheliegende Dörfer rund um die Mainmetropole und 42,2 Kilometer laufen entlang des Mains mit Blick auf die Frankfurter Skyline – das sind die Anforderungen des diesjährigen Ironmans in Frankfurt. Bereits seit 21 Jahren gehen bei dem Langdistanzrennen in Frankfurt nicht nur die weltbesten männlichen und weiblichen Triathleten, sondern auch zahlreiche Altersklassenathleten an den Start. So stehen dieses Jahr auch 76 Eintrachtler:innen der Triathlonabteilung auf der Startliste, um den längsten Tag des Sportjahres zu bestreiten.

Das Langdistanz-Projekt macht es möglich

Einer von ihnen ist Adlerträger Mounsif Chtaiti. Seit November 2022 absolviert der gebürtige Frankfurter das Langdistanz-Projekt der Triathlonabteilung der Eintracht zur Vorbereitung auf den anstehenden Ironman in der Mainmetropole. Seitdem trainiert er täglich gemeinsam mit anderen Eintrachtler:innen für den besonderen Triathlon am Sonntag. Auch wenn er nach wie vor Respekt vor dem Wettkampf hat, fühlt er sich durch das Training bestens vorbereitet auf das anstehende Sportevent: „Das Trainingsprogramm der Eintracht hat mich und die anderen Teilnehmenden systematisch an die Langdistanz herangeführt. Man merkt von Training zu Training, dass es zwar immer eine enorme Belastung bleibt, die Einheiten aber von Mal zu Mal „beherrschbarer“ werden.“

Der schönste Moment ist, wenn du an der Startlinie stehst, in die Gesichter der Leute schaust und dort pure Emotionen, Spannung und Vorfreude entdeckst.

Mounsif Chtaiti

Mounsif kommt aus einer sportlichen und vor allem Fußballbegeisterten Familie. Jahrelang schnürt er sich die Fußballschuhe, entweder, um selbst zu spielen oder um als Schiedsrichter in der hessischen Region zu pfeifen. Aus beruflichen Gründen muss der Unternehmensberater vor einigen Jahren zwar die Fußballschuhe an den Nagel hängen, findet jedoch im Laufsport seine neue sportliche Leidenschaft. 2017 nimmt Mounsif dann gemeinsam mit einem Freund erfolgreich am Frankfurter Marathon teil. Seine erste große Errungenschaft im Ausdauersport, doch der heute 44-jährige liebäugelt damals mit mehr: „Die Königklasse im Ausdauersport war schon immer der Traum. Die Sportart Triathlon hat mich begeistert und tut es auch heute noch. Ich fand damals alles um die Sportart herum spannend, also habe ich mir ein Fahrrad gekauft und losgelegt.“

Mounsif, der sich zu Beginn seines Triathlontrainings selbst als „Nicht-Fahrradfahrer“ bezeichnet, legt anfangs einige wacklige Versuche auf dem Rennrad mit Auflieger zurück, kann sich aber nach Monaten Training mit dem Radsport anfreunden. Auch dem Schwimmen, speziell der Kraultechnik, muss sich der heute in Rodenbach lebende Familienvater damals erst annehmen. So arbeitet er sich bis 2019 Schritt für Schritt zu seiner nächsten sportlichen Herausforderung, einem 70.3 Ironman in Marrakesch, bei dem ein Triathlon über die halbe Ironman-Distanz absolviert werden muss. Die Mitteldistanz in der Tasche beschließt Mounsif, nun auch die Langdistanz zu bewältigen. Als er im November 2022 dann auf das Angebot der Triathlonabteilung der Eintracht stößt, sich schrittweise und professionell auf den Ironman in Frankfurt vorzubereiten, hat er keine Zweifel mehr.

Langdistanz-Debüt beim Heimtriathlon

Mounsif wird daraufhin Mitglied der Triathlonabteilung und ist fortan in jeder freien Minute und Gelegenheit auf dem Fahrrad, im Wasser oder joggend in der Mainregion unterwegs. Dabei wird er vor allem von seiner Frau auf Trab gehalten, die ihn nicht nur bei zahlreichen Trainingseinheiten begleitet und fordert, sondern ihm auch mentale Unterstützung gibt: „In der Mittagspause habe ich meine tägliche Laufeinheit absolviert, abends ging es dann aufs Rad oder ins Becken. Als alleinerziehender Vater musste ich meine Trainingszeiten mit denen meines Sohnes anpassen. Während er Fußballtraining hatte, bin ich gejoggt. Aber vor allem war es das Engagement meiner Frau, das mich bis hierhin getragen hat. Viele meiner Trainings hat sie gemeinsam mit mir bewältigt, sie war eine echte Motivationsspritze. Durch ihre Unterstützung und die Bekräftigung meiner restlichen Familie konnte ich meinen Trainingsplan durchziehen und mich gut vorbereiten. Ich bin ihnen sehr dankbar“.

Beim Ironman in Frankfurt kommen für mich gleich mehrere Lieben zusammen. Die Liebe zum Sport, zur Stadt und zur Region und zu meinem Team bei der Eintracht.

Mounsif Chtaiti

Mounsif, der sein Leben im Main-Kinzig-Kreis verbracht hat, schreibt dem Ironman in Frankfurt eine ganz besondere Bedeutung zu. Nicht nur sei im Rahmen der Vorbereitung das Teamgefühl mit den anderen Eintrachtler:innen einzigartig gewesen, auch die Chance, in der Heimatregion auf bekannten Strecken die Disziplinen zu durchlaufen, sei unbeschreiblich: „Beim Ironman in Frankfurt kommen für mich gleich mehrere Lieben zusammen. Die Liebe zum Sport, zur Stadt und zur Region und zu meinem Team bei der Eintracht. Die Triathlon-Community ist einfach beeindruckend. Deshalb ist das Event etwas ganz Besonderes für mich.“

Der längste Tag des Jahres steht an

Nach monatelangem, anstrengenden und zeitintensiven Training ist es am kommenden Sonntag endlich so weit. Der Ironman in Frankfurt startet. Mounsif ist voller Freude, aber auch gespannt auf seinen ersten Langdistanz-Triathlon: „Es ist sehr aufregend. Man weiß nicht genau, was einen erwartet bzw. wie man im Endeffekt auf die Anforderungen reagieren wird. Jeder Tag ist individuell. Wie auch bei kürzeren Distanzen kommt es ganz auf die Tagesform an. Mal fühlst du dich besser, mal schlechter. Dennoch freue ich mich riesig. Der schönste Moment ist, wenn du an der Startlinie stehst und die Gesichter der Leute schaust und dort pure Emotionen, Spannung und Vorfreude entdeckst.“

Auf die Frage, ob er sich ein sportliches Ziel gesetzt hat, antwortet er überzeugt: „Den Tag genießen und viel Freude haben, auch wenn das bei den Belastungen paradox klingt. Einfach alles aufsaugen, sei es die Strecke, die anderen Teilnehmer:innen oder die jubelnden Zuschauer. Das nehme ich mir vor. Natürlich möchte ich in meinem üblichen Zeitrahmen von 13 bis 14 Stunden finishen, aber das ist am Ende des Tages nicht das wichtigste.“ Die ideale Einstellung für einen besonderen Heimwettkampf, der Mounsif sicher immer im Gedächtnis bleiben wird.