29.03.2010

Baikalsee Marathon am 7. März 2010

Nach der Antarktis, Nordpol, Grönland war Sibirien an der Reihe: 42 km quer über den Baikalsee über meterdickes Eis im Winter klingt sehr gut. Ein paar Tage vorher angereist um sich zu akklimatisieren, am Vortag eine kleine Wanderung mit den anderen deutschen Teilnehmern bei – 20 Grad, dann kann es losgehen. Wettkampfeinweisung am Vorabend ist überraschend, der Start wurde ein bisschen nach Norden verlegt, ein Erdbeben hat das Eis im Startbereich durcheinander gebracht. Sicherheit geht vor. Um 0900 Uhr trifft man sich am Westufer bei – 15 Grad um mit Luftkissenbooten zum dünn besiedelten Ostufer zu fahren, allein die Überfahrt bei strahlendem Sonnenschein ist schon spektakulär (das Kettenfahrzeug mit Teilen des Proviants bleibt mitten auf dem See liegen, egal - ich bin Selbstversorger). Beim Start ist es leider sehr windig und die Schneeverwehungen sind auch recht heftig, irgendwie sind diese komischen Eisschollen auch komisch zusammengefroren, es gibt doch so was wie Höhenmeter auf dem flachen Eis. Schlußendlich kommt der Startschuß gegen 12:00 und die rund 60 Teilnehmer setzen sich in Bewegung: die Kälte, der Wind und der schwierige Untergrund treiben die Herzfrequenz in den roten Bereich. Nach kurzer Zeit ist man ziemlich allein und ich kann kaum die Berge am Westufer des Sees sehen, obwohl die ja nur rund 45 km entfernt sind, selbst die nächste Verpflegungsstation in 5 km Entfernung ist nicht zu erkennen, obwohl aus Sicherheitsgründen immer ein Luftkissenboot dort stationiert ist. Mit Glück sehe ich die nächsten 1-2 Markierungsfähnchen die im Abstand von jeweils 120 m gesteckt sind. Nach 10 km sind auch die Schneeverwehungen überwunden und wir laufen auf dem blanken Eis (Ice Age lässt grüßen): beim Wassereis können wir glatt hindurch sehen, (ich hab aber keine schwimmenden Fische darunter gesehen), dafür ist es so glatt, dass selbst meine Spikes kaum Halt finden. Wären Schneeketten doch besser gewesen? Alles Kopfsache sag ich mir: glatt aufsetzen, keine Oberkörperbewegungen, Boden genau beobachten: ist das ein Spalt, ist er richtig zugefroren oder nicht. Na ja, bei – 15 ist doch alles solides Eis oder wie? Besser ist das Milcheis, da gibt es zwar nichts zu sehen, keine eingeschlossenen Gräser, Luftblasen oder ähnliches, dafür finden die Spikes an der raueren Oberfläche Halt, stolpern gehört doch auch zum laufen. Beim Halbmarathon haben wir 1400 m Wasser unter uns und unendliche Weiten in jede Himmelsrichtung, selbst die Sonne steht so komisch, dass ich die Himmelsrichtungen (ich will nach Westen) trotz wolkenfreiem Sonnenschein kaum erkennen kann, die kleinen roten Markierungen sind mental eine ziemlich dünne Verbindung in die Zivilisation. Jetzt ist auch mein Apfelsaft trotz Thermosverpackung gefroren, das Gel kaum noch genießbar, da bleibt nur der Tee alle 5 km und die russische Schokolade – sehr schlau, die wird nicht hart bei der Kälte. Da steckt viel Liebe im Detail bei den Organisatoren. Weder vor mir, noch hinter mir ist ein Läufer zu erkennen, wie aus dem Nichts tauchen plötzlich die Verpflegungsstationen auf, zum Glück leide ich nicht an Platzangst. Schön, wie so allmählich das Gebirge am Westufer immer größer wird, man muß nur Geduld haben. Nach 4: 15 komme ich als 6er ins Ziel und ab in die russische Sauna zum Auftauen.

www.baikal-marathon.de